Remote Feedback Tag

Remote gutes Feedback geben – so geht’s.

Wertschätzendes und wirkungsvolles Feedback zu geben ist in jedem Kontext anspruchsvoll – ganz besonders aber in der virtuellen Zusammenarbeit. Schwer heißt aber nicht unmöglich, wir haben ein paar Tipps zum Thema Remote Feedback gesammelt.

Von vorn – was bedeutet Feedback geben?

In der digitalen Welt wird gerne geliked und Meinungen werden anonym kundgetan, doch wertschätzendes und differenziertes Feedback, insbesondere remote, ist rar. Oft fehlt es an Know-How und Zeit oder beidem. Gerade in der virtuellen Zusammenarbeit scheint die Hürde, ein Feedback zu geben, noch um ein Vielfaches erhöht.

Schaut man sich einmal die englische Übersetzung des Wortes «Feedback» an, wird deutlich, was eigentlich damit gemeint ist. Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Ausdruck sinngemäß «zurück füttern». Diese Übersetzung werden wir vermutlich alle nicht benutzen, deswegen hat sich ja auch der englische Begriff etabliert. Doch er macht die grundsätzlich wohlmeinende Absicht hinter gutem Feedback deutlich. Es geht im Kern darum, meinem Gegenüber zum passenden Zeitpunkt klare, spezifische und wertschätzende Rückmeldungen zu geben, entweder um den Menschen persönlich weiterzubringen oder eine Sache, die man verantwortet, besser zu machen. 

Die Besonderheit von Remote Feedback 

Die virtuelle Zusammenarbeit bringt viele Vorteile. Sie ist flexibel, schnell und interaktiv. Die zunehmende Digitalisierung hilft, Prozesse insgesamt zu beschleunigen. Durch die Arbeit an verschiedenen Orten und Plätzen verstärkt  sich allerdings oft die Distanz zwischen Kolleg:innen. Man verliert sich gefühlt aus den Augen, Kontakte werden reduziert. Gerade neue Teammitglieder haben es schwer, Anschluss im Team zu finden. Teilweise haben sich Kolleg:innen noch nie in “echt” gesehen. Wie soll ich da jemand ein Feedback geben, womöglich noch ein kritisches.  

Es gibt auch keine natürlichen Treffpunkte mehr, um sich Feedback zu geben. Das menschliche Bedürfnis nach Kommunikation und Feedback bleibt jedoch auch bei dieser neuen Form der Zusammenarbeit gleich – oder nimmt sogar zu. 

Der Nutzen von Remote Feedback 

Feedback sorgt für mehr Transparenz, Verständnis untereinander, Vertrauen und Orientierung im Team. Wer kann darauf wirklich verzichten? Umso wichtiger ist es also, in solchen virtuellen Settings öfter und vor allem auch ritualisiert Feedback zu geben. Hier gilt es besonders, den Grundprinzipien der Kommunikation mehr Aufmerksamkeit  zu schenken und die technischen Möglichkeiten der Kommunikationsmedien entsprechend zu nutzen. So empfiehlt es sich beispielsweise, in Videokonferenzen die Kamera aktiviert zu lassen, da das Nonverbale (Mimik, Gestik, Körpersprache etc.) und das Paraverbale (Lautstärke, Tempo, Pause, Artikulation, Stimmlage etc.) einen beachtlichen Teil in der Kommunikation einnimmt.

Auch beim Loben ist es spannend zu beobachten, welche Wirkung ein Feedback haben kann, wenn es spezifisch und klar formuliert wird. Oft neigen wir zu einem schnellen “Alles super gemacht”.  Ein genaueres Lob wie “Mich hat dein Engagement in dem Projekt total beeindruckt, könntest du das neue Projekt auch übernehmen?” macht etwas mehr Arbeit in der Formulierung, hat aber eine ganz andere Wirkung auf mein Gegenüber.

Remote Feedback-Hacks aktiv nutzen 

Feedback-Hacks sind schnelle und unkomplizierte Methoden, Muster oder Routinen zum Ausprobieren von Feedback in kleinen und großen Teams, die alle zum Experimentieren und gemeinsamen Üben einladen. Ritualisierte Formate  stoßen auf diese Weise leicht Veränderungen an und können das Vertrauen im Team fördern.

Ein Feedback-Hack wird mindestens einen Monat ausprobiert. Wenn der Hack die gewünschte Wirkung zeigt und für das Team funktioniert: perfekt! Wenn nicht, so kann man mit einem neuen Hack experimentieren. Jeder Hack kann durch eigene Fragen individuell angepasst werden, es geht vor allem um das Format sowie die ritualisierte Durchführung

Das Team sollte gemeinsam entscheiden, mit welchem Hack gestartet wird. Hier einige Beispiele für praxiserprobte Hacks:

Hashtag Feedback

Eine kurzweilige, fokussierte Art und Weise auf den Punkt Feedback zu geben

  • Jeder Teilnehmende schreibt ein Post-it mit einem Hashtag als Kurzfeedback zum Meeting oder einer Präsentation.
  • Auch der Chat kann benutzt werden.
  • Humor ist ausdrücklich erlaubt.
  • Wichtig ist die klare Anmoderation. Das Wort hinter dem Hashtag muss eindeutig sein!

Remote Weekly 

Eine Retrospektive als regelmäßiger Feedback-Anlass mit dem Team. Kern dieser Methode ist, sich drei gute Fragen zu stellen:

  • Keep: Was lief diese Woche gut und was wollen wir beibehalten?
  • Drop: Was lief nicht optimal und womit wollen wir aufhören?
  • Try: Was wollen wir anders machen oder neu ausprobieren?

Resilienz Feedback-Shower

Alle Mitarbeiter:innen benötigen Ressourcen zur Bewältigung alltäglicher Probleme – vor allem in der Krise. Eine Power-Routine kann man schaffen, indem man jede Woche mit den folgenden Fragen beginnt:

  • Was waren meine Erfolge in der letzten Woche?
  • Was ist mir richtig gut gelungen?

Feedback zur Führung

Ein Feedbackprozess mit allen Mitarbeitenden, der darauf abzielt, das Unternehmen und das Team zu verbessern. Es geht darum, die Führungskultur zu hinterfragen. Dazu gibt es zwei sehr smarte Fragen:

  • Was würdest du tun, wenn du für einen Tag Chef hier wärst?
  • Was müsste sich in der Führung ändern, damit du gerne länger bei uns bleibst?

Gemeinsame Rituale und Regeln im Team helfen

Eine neue Feedbackkultur bedarf bewusster Gestaltung und etabliert sich nicht über Nacht. Die Teams brauchen feste Rituale und gemeinsam getroffene Regeln. Damit alle Beteiligten von demselben ausgehen und ähnliche Erwartungen an den Feedbackprozess haben, gilt es im Team zu vereinbaren:  

  • Wann geben wir uns Feedback?
  • Was ist das Ziel des Feedbacks?
  • Wie gehen wir mit individuellem Feedback um? 

Herausforderungen

Auf einen ersten Blick erscheinen viele dieser Methoden und Übungen sehr einfach und klar. Die Erfahrung zeigt aber, dass es meist schwieriger als erwartet wird. 

Wie gelingt es, den Hack als Routine zu etablieren? Welcher Hack passt am besten zu uns? Wie formuliere ich wertschätzend, obwohl ich genervt bin? Wie so oft, hilft es, vor allem ausprobieren und zu üben. Das Gute ist, dass es wirklich überall möglich ist. In der kollegialen Zusammenarbeit, mit der Familie und mit Freunden. Denn ein wirkungsvolles Feedback, ob ein gutes Lob oder eine gut formulierte Kritik, wird in der Regel geschätzt!

 

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